Hintergrundbericht Biermarkt

Berlin, 05. Juni 2003. Der Biermarkt ist von unverändert hohem Wettbewerbs- und Kostendruck, Überkapazitäten von bis zu 40 Prozent und einem verhaltenen Konsumklima geprägt. Gleichzeitig setzt sich die Internationalisierung des heterogenen deutschen Biermarktes weiter fort. Von den rund 1.680 Braustätten in der Europäischen Union arbeiten allein 1.279 in Deutschland. Das ist die mit Abstand größte Brauereidichte weltweit. Mit dem Eintritt der großen internationalen Konzerne wie Interbrew oder Heineken hat der Ausleseprozess unter den rund 5.000 deutschen Biermarken längst begonnen. Die Konzentrationswelle trifft die Brauereien mit mittelpreisigen Konsumbieren. Seit 1995 sind gut 120 mittelständische Unternehmen mit einem Jahresausstoß zwischen 5.000 und 500.000 Hektolitern vom Markt verschwunden. Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen kann die deutsche Brauwirtschaft mit den Absatzzahlen dennoch zufrieden sein. Nach einem seit Jahren rückläufigen Bierabsatz erzielte die Branche in 2002 mit rund 107,7 (107,8) Millionen hl erstmals wieder ein ausgeglichenes Ergebnis. Der Pro-Kopf-Verbrauch pendelte sich bei 123 (123) Litern ein. 1976, dem bisher besten Jahr, lag er noch bei 151 Litern. Im ersten Quartal 2003 geht der Bierdurst der Deutschen weiter zurück. Bis zum 31. März wurden 21,8 Millionen hl abgesetzt. Das waren 2,2 Millionen hl oder 9,1 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gastronomie verliert - Discounter legen zu Vielleicht noch schwerer als die stagnierenden Absatzmengen wiegt, dass sich die Erlöse kontinuierlich verschlechtern. Die Schere zwischen imagestarken Premiummarken und unprofilierten Billigbieren wächst. Verlierer in dieser "Sandwich"-Situation sind die Konsumbiere. Das ertragreiche Fassbiergeschäft lag auf dem nationalen Biermarkt in 2002 unter 20 Prozent des Gesamtausstoßes. Im Handel wachsen die Billigbiere überproportional stark. Der Marktanteil der imageschwachen Handelsmarken lag in 2002 bereits bei 18 Prozent. 1999 waren es bei den no names erst 12 Prozent gewesen.

Abschied von Monomarkenstrategien Neu ist seit einiger Zeit, dass die großen Pilsbrauereien, die sich bis dato auf eine Marke konzentrierten, mit dieser nicht mehr zulegen können. Die Erkenntnis ist gewachsen, dass nur eine Marke auf Dauer zum Überleben nicht ausreicht. Der Trend geht wieder zum Sortiment. Der Wunsch des Verbrauchers nach Vielfalt lässt sich nicht mehr länger überhören. Zudem will der Getränkefachgroßhandel als wichtiger Absatzmittler vermehrt Angebote aus einer Hand haben. Fast alle potenten Unternehmen suchen Allianzen und Kooperationen.

Mit dieser Entwicklung geht eine große Chance der traditionellen Sortimentsbrauereien einher. Sie galten lange Zeit als antiquiert, weil sie sich nicht auf eine Marke fokussierten. Tatsächlich hatten sie ihr Portfolio oftmals nicht recht geordnet. Dabei haben die traditionellen Sortimentsbrauereien wie die Dortmunder Brau und Brunnen AG mit der nationalen Marke Jever und starken regionalen Marken bereits eine hervorragende Ausgangsposition, wenn sie sich strategisch konsequent aufstellen. Die Berliner-Schultheiss-Brauerei profitiert als Tochtergesellschaft des Konzernverbunds von dieser Entwicklung.